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Australien – Küste, Kaffeekultur und Kängurus

mode_editChristina Street / date_rangeFebruar 21, 2019

Australien, meine Wahlheimat: Land der Kängurus, der phänomenalen Unterwasserwelten und des imposanten Buschlandes. In den Großstädten Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth liebt man Kaffee, gutes Essen und gute Musik. Überall bekommt man ein Lächeln geschenkt und ein nettes Kompliment. An der Küste rund um die Great Ocean Road findet man wilde Strände, wagemutige Surfer und das berühmte Barbecue am Strand. ‘Downunder’ sind die Menschen entspannt. Trifft man auf ein unerwartetes Problem, heißt es “no worries, mate” – keine Sorge, Freund.

In Sydney’s Botanischem Garten sind freundliche Schilder aufgestellt, auf denen steht ‘laufen Sie ruhig auf dem Rasen’.

Mitarbeiter in großen Unternehmen werden bei schönem Wetter nach Hause geschickt, um die Sonnenstrahlen mit ihren Lieben zu genießen. Und Freitags trinkt man gemeinsam ein Feierabendbier, meistens schon ab Mittags. An das lässige Leben kann man sich schnell gewöhnen und sich in das Land und die Leute verlieben – so auch ich.
Zu Weihnachten finden vielerorts lustige Events statt, beispielsweise Versammlungen von feiernden Weihnachtsmännern oder Ukulele Spielern. Man trifft sich zum Campen übers Wochenende am Strand. Vieles steht hier buchstäblich Kopf. Beispielsweise das Wetter: Im Juli ist es kalt und regnerisch, im Dezember heiß und sonnig. Wer dem tristen Deutschen Winter entgehen möchte ist hier genau richtig.

Wie wäre es mal mit einem heißen Weihnachten unter Palmen am Strand? Australian Open – Tennis im sonnigen Januar? Oder wie klingt ein Campingausflug im frühlingshaften September?
Durch das Ozonloch über Australien fühlt sich die Sonne hier deutlich heißer an als unserorts. Australien hat viele unterschiedliche Klimazonen. Im Norden ist es tropisch heiß, im Outback heiß und trocken, im Süden eher kühl und sonnig. Und Skifahren kann man in Teilen Australiens sogar auch.

1. Melbourne


Sieben Jahre in Folge wurde Melbourne als die weltweit lebenswerteste Stadt bezeichnet. Und das zurecht. Melbourne ist meine Lieblingsstadt in Australien. Ich lebe und liebe Melbourne mit Herz und Seele. Kultur, Kaffee, Aufgeschlossenheit. Melbourne ist keine touristische Stadt. Es gibt keine wirklichen Sehenswürdigkeiten. Stattdessen findet man in Melbourne einen einzigartigen Lebensstil.

Melbournes Innenstadt ist ein Netzwerk aus Kopfsteinpflaster. Die kleine Gässchen, die Laneways, sind ein Mekka für Cafés, ausgefallene Boutiquen und Arkaden. Hosier Lane’s täglich wechselnde Straßenkunst von Trump Karikaturen bis zum Elefanten Gott Ganesha fasziniert.

Als Kaffeeconnoiseur bekommt man in der Stadt am Yarra River seinen vollen Koffeinschock. Hier wird der Kaffeekonsum zelebriert. Im Aunty Peg’s degustiert man verschiedene Kaffeebohnen und Aufgüsse in Industriel-schickem Ambiente, ähnlich einer Weinprobe, nur eben mit Kaffee. Brunch wird in Melbourne groß geschrieben, vor allem das berühmte ‘smashed avo’ darf man sich nicht entgehen lassen: Avocado auf Sauerteigbrot mit Feta und einem pochierten Ei. Dies gibt es beispielsweise im szenigen Café Denis the Menace. Dazu gibt es einen ‘flat white’ – die Australische Variante des Cappuccino. Wer Australisches Essen aus heimischem Lande probieren möchte, geht ins schicke Charcoal Lane und unterstützt dabei junge Aborigines in ihrer Gastronomie-Ausbildung. Auf dem Menu stehen Emu Fillet an Sandelholz-Nuss-Dressing oder gebratenes Känguru an Hibiskus-Reduktion. Während sich im Norden Melbourne’s die Hipster der Stadt tummeln, findet sich im Zentrum das Einkaufsviertel und im Süden die schicke Bourgeoisie. Man findet in Melbourne’s Innenstadt ein belebtes Chinatown mit allerhand Leckereien und Karaokebars.

Kunst und Kultur spielen eine wichtige Rolle im täglichen Leben. In der National Gallery of Victoria (NGV) und dem Australian Centre for the Moving Image (ACMI) gibt es neben alljährlichen eintrittsfreien Ausstellungen höchst moderne Kunst zu bewundern. Die interaktive Ausstellung von Alice in Wunderland beispielsweise, oder Andy Warhol – Ai Weiwei. Alle paar Wochen finden Konzerte in den Museen statt. Bei Wein und guter Musik kann man sich die aktuellen Ausstellungen ansehen. Neben Workshops werden auch Programme für Kinder und Jugendliche angeboten.

Auf dem Queen Victoria Market vergehen Stunden im Flug. In Melbourne’s ikonischer Markthalle findet man neben regionalem Käse und ausgefallenem Obst auch allerhand Kurioses, von Australian Football (“Footie”) Trikots, handgearbeiteten Schmuck und Bio Kosmetika bis zum Plüschkoala.

Den Abend versüßt man sich am besten bei schönem Wetter in einer der vielen Rooftop Bars, beispielsweise im Naked for Sataa im angesagten Stadtteil Fitzroy, wo es täglich frische Pintxos gibt – kleine Tapas aus Schafskäse, Oliven, Lachs und mehr. In der Loop Rooftop Bar in der Innenstadt kann man tolle Cocktails schlürfen, sitzt umgeben von hängenden Pflanzen und schaut dabei auf die Lichter der Stadt.

Melbourne hat alles zu bieten, was eine Großstadt ausmacht, von Comedy Nächten und Open Mic Nights, bis hin zum interaktiven Theater und Escape Room.

2. Great Ocean Road


Die Great Ocean Road beginnt nur 1.5 Stunden Fahrt südwestlich von Melbourne und erstreckt sich über 400 Kilometer schönste Küstenlandschaft. Als eine der reizvollsten Roadtrips auf der Welt kurvt sich die Great Ocean Road durch unterschiedlichste Landschaften. Die erste Station ist Torquay, eine verschlafene Kleinstadt mit langem Sandstrand, gemütlichen Cafes und dem berühmtesten Surfstrand für Wellenreiter: Bells Beach. Hier findet alljährlich zu Ostern die Rip Curl Pro Surf Weltmeisterschaft statt. Die besten Surfer der Welt zeigen rasante Sprünge, wendige Drehungen und die Kunst, eine Welle zu beherrschen.

Unser zweiter Halt ist Anglesea, perfekter Ort um gemütlich am Strand zu liegen und sich mit dem Bodyboard in die Wellen zu stürzen. Das Meer ist hier auch im Sommer recht frisch und die Australische Sonne gleichzeitig so stark, dass Neoprenanzüge dringend nötig sind, um gleichzeitig vor Kälte und UV-Strahlen zu schützen.

Weiter die Küste entlang gelangen wir nach Lorne, der berühmten Art Deco Stadt. Neben 1920er Architektur findet man in Lorne Ausflüge zu traumhaften Wasserfällen und phänomenale Blicke auf den türkisenen Ozean – nur einen kurzen Weg über den romantischen Kai entlang. Wer sehr sportlich ist, besucht Lorne im Mai zum Great Ocean Road Marathon, der womöglich schönsten Marathonstrecke der Welt.

Apollo Bay ist wahrscheinlich meine Lieblingsstadt an der Great Ocean Road. Vier Kilometer Sandstrand laden zu romantischen Spaziergängen ein, zum Schwimmen, Loungen und Surfen. Dazu hat die freundliche Kleinstadt jede Menge Events zu bieten, von Live Musik bis zum Meeresfrüchte Festival. Unbedingt probieren muss man die Scallop Pie, eine Jakobsmuscheln Pastete, die es nur hier in der Apollo Bay Bakery gibt. Wer gerne wandern geht, kann 104 Kilometer entlang des Great Ocean Walks wandern, von Apollo Bay bis zu den Zwölf Aposteln.

Von Apollo Bay aus geht die Great Ocean Road streng genommen nicht mehr an der Küste entlang. Stattdessen fährt man ins Landesinnere durch den Great Otway Nationalpark und fühlt sich in ein Land vor unserer Zeit versetzt. Man taucht ein in Australiens schönsten Regenwald. Riesige Farne und hohe Bäume zieren den Nationalpark. Die Luft wird heiß und feucht. Der Otway Fly Tree Top Walk bietet Spaziergänge auf den Baumkronen, mit luftigen Blicken über den Nationalpark. Nichts für schwache Nerven ist der Zip Line Kurs, mit dem man an einer Seilrutsche befestigt 30m über dem Boden durch die Bäume fliegt.

Fast am Ende der Great Ocean Road finden sich die magischsten Sehenswürdigkeiten der Route: Die Zwölf Apostel, London Bridge und Bay of Islands. 20 Million Jahre lang wurden die Kalksteinfelsen durch Erosion von Meer und Sand zu den faszinierenden Formationen geformt. Als riesige Felsen ragen sie aus dem kristallklaren Meer; ein Schauspiel, vor allem zum Sonnenuntergang. Wer seine Liebsten mit einem außergewöhnlichen Geschenk überraschen möchte, bucht hier einen Helikopterflug mit 12 Apostles Helicopters. Den Flug darf man sich absolut nicht entgehen lassen. Der Helikopterflug war mein persönliches Highlight der Great Ocean Road.

3. Sydney & die Strände


Sydney’s Opernhaus fasziniert jedes Jahr zum Neujahr mit einem der ersten, wohl imposantesten Feuerwerken der Welt. Hier hatte ich das Glück Silvester zu feiern. Was ein Neujahrsfest! In eleganter Atmosphäre begannen wir den Abend im Billy Kwong, Chinesischem Fusionsessen in Potts Point mit Garnelen Wontons und Szechuan Ente. Dann spazierten wir durch den blumigen Royal Botanical Garden zum Sydney Opera House. Im wohl berühmtesten Opernhaus der Welt sahen wir uns die schönsten Opernlieder an – live performt in The Opera Gala. Danach gab es Sekt auf dem Balkon des Opernhauses. Um Mitternacht erschloss sich ein atemberaubendes Feuerwerk um uns herum. Was für ein Start in das neue Jahr!

Sydney hat für Touristen so einiges zu bieten: Die Sydney Harbour Bridge, auf der man morgens zum Sonnenaufgang eine Wanderung buchen kann, das historische Viertel The Rocks, London-inspirierter Hyde Park – um nur ein paar der beliebtesten Spots zu nennen. Hat man die Sehenswürdigkeiten hinter sich gebracht, sucht man Erlebnisse abseits des Trubels.

Im Stadtteil Newtown entdeckt man ein alternatives Sydney – King Street beherbergt nette, kleine Geschäfte, ausgefallene Cafes, lustige Bars und Schnickschnacklädchen. Im szenigen Non-Profit-Restaurant Lentil as Anything zahlt man, was man möchte. Auf dem Menü findet man vegetarische Leckereien aus aller Welt: Mexikanischer Bohnensalat, Mediterraner Tofuwrap oder Auberginenschnitzel mit Bratkartoffeln.

Ist man einmal in Sydney, muss man unbedingt mit der Fähre fahren. Vom Circular Quay in der Innenstadt fährt man beispielsweise zum Strand von Manly. Andere malerische Stadtteile Sydneys können ebenfalls angefahren werden, beispielsweise Darling Point oder Rose Bay.

Jeder kennt den Bondi Beach. Doch nicht jeder kennt den Bondi nach Coogee Wanderweg – mein absoluter Sydney Tipp! Sechs Kilometer schlendert man an der goldenen Felsenküste entlang. Vorbei an Iceberg’s Freibad direkt am Strand von Bondi geht der Weg entlang einer steinigen Küstenlandschaft mit Blick auf den türkisenen Ozean.

4. Outback und Uluru


Entgegen der vornehmlich blauen Küstenlandschaften ist das Australische Outback farblich rot und grün – eine recht kahle, sandige Wüste in Zentralaustralien, mitten im Nirgendwo. Und doch ist der Berg Uluru eines der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Australiens.

Uluru wird auch Ayer’s Rock genannt, benannt durch den Briten William Gosse, der 1873 den Berg auf die Australische Landkarte setzte. Um die einheimische Namensgebung zu ehren nennen Australier den Berg heute lieber Uluru nach der original Aboriginal Bezeichnung.

Der Felsen ist ein heiliger Ort für die Ureinwohner Australiens und ansässigen Anangu. Und das fühlt man, selbst als Besucher. Uluru’s Sandstein wird vom Sonnenlicht magisch angestrahlt und erscheint daher vor allem bei Sonnenuntergang als rot leuchtender Berg. Bei einer Wanderung um den Berg herum werden neben Erklärungen zum Felsgestein auch Traumzeitgeschichten erzählt – die Schöpfungsgeschichten Australiens.

Wer im Uluru-Kata Tjuta National Park eine unvergessliche Nacht verbringen möchte bucht die Übernachtung unterm Sternenhimmel. Im Einmann-Schlafsack liegt man um ein Lagerfeuer herum und beobachtet die Sterne. Fern von den Lichtern der Stadt sieht man die faszinierende Natur des Himmels aufleuchten: Die Sternbilder, Planeten und die Milchstraße – ein einmaliges Erlebnis.

5. Segeln und Schnorcheln im Great Barrier Reef und den Whitsundays


Mit 2.300 Kilometern ist das Great Barrier Reef das größte Korallenriff der Welt. Bunte Korallen, ausgefallene Fische und Schildkröten sowie glasklares Wasser laden zum Staunen ein. Die Unterwasserlandschaft ist einmalig schön und ideal zum schnorcheln oder tauchen. Hier kann man auch eine Sandbank besichtigen, beispielsweise die Michaelmas oder Vlasoff Cay, zu der man entweder per Boot oder per Helikopter gelangt.

Im Great Barrier Reef befinden sich die Whitsundays – 74 idyllische Inseln, die man mit einem Segelboot umfahren kann. Ein Segeltörn ist der einzig wahre Weg um das Great Barrier Reef so richtig zu entdecken, dachte ich mir. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und buchte einen drei Tages Trip auf der Solway Lass, einem 1902 erbauten Großsegler mit erster Zulassung – man mag es kaum glauben – in Hamburg. Heute bietet das Segelschiff zwei oder drei Tages-Kreuzfahrten durch den wohl schönsten Teil Australiens. Morgens früh aufzuwachen und bei leichtem Meeresrauschen den Sonnenaufgang über dem Ozean zuzusehen – ein Traum. Beim Schnorcheln schwammen wir mit Schildkröten und Papageienfischen. Beim Tauchen sahen wir sogar einen kleinen Riffhai, der angeblich mehr Angst vor uns als wir vor ihm. Delfine schwammen neben dem Segelschiff her, sprangen auf und ab im kalten, klaren Wasser. Und wer Glück hat, sieht von Mai bis August zur Paarungszeit Wale im Meer. Ein unvergessliches Abenteuer.

6. Koalas streicheln im Australia Zoo


Wer Australiens Tiere aus nächste Nähe betrachten möchte, geht in den Australia Zoo in Queensland. Gemeinsam mit seiner Frau Terri errichtete ehemalige TV-Berühmtheit und Krokodiljäger Steve Irwin einen Zoo der Extraklasse: Wilde Tiere in riesigen Gehegen und doch ganz nah. Hier kann man Koalas streicheln, sich neben Kängurus setzen und Giraffen in einem offenen Safari Park beobachten. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass sich die Tiere wohl fühlen – und das merkt man. Da läuft eine Tierpflegerin mit einem Wombat gemächlich den Weg entlang. “Der kleine geht gerne spazieren”, sagt sie und läuft mit ihm durch den Zoo wie mit einem Hund.

Die Tiere werden in großen Gehegen wie in freier Wildbahn gehalten und wirken wahnsinnig friedlich und glücklich. Das schlägt sich auch auf die Besucher nieder. Früh kommen lohnt sich, denn man kann den ganzen Tag in dem einzigartigen Zoo verbringen und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Übrigens fühlen sich Koalas gar nicht kuschelig, sondern eher borstig an. Der kleine auf meinem Arm hielt sich extra gut fest und zwickte mich dabei sogar ein bisschen. Wildes Tier ganz nah.

Über die Autorin

Christina Street ist Jetsetterin, Weltenbummlerin und Expat. Ihre Lieblingsdestination ist Südostasien. Sie hat auf Ihren Reisen Machu Picchu erklommen, Heuschrecken in Thailand gegessen und ist mit Riesenrochen auf Bali geschwommen. Christina ist immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und stellt ihre Abenteuer in unseren Magmapool-Reiseberichten vor. Christina lebt mit ihrem Mann in Melbourne, Australien.