Mitarbeiterbindung: Ist die Work-Life-Balance entscheidend?

mode_editMaximilian Schütz / date_rangeJuni 22, 2018

„Die vielen Überstunden machen mich fertig“, beschweren sich viele Arbeitnehmer. Das Privatleben käme zu kurz, ihre „Work-Life-Balance“ sei gestört. Dieses Ungleichgewicht beschäftigt auch zahlreiche Führungskräfte – vor allem, weil der Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit bzw. Mitarbeiterbindung immens ist. Doch in Unternehmen wird der Begriff Work-Life-Balance häufig falsch interpretiert. Es geht nämlich vielmehr um die allgemeine Lebensqualität als um einen Wettkampf zwischen Beruf und Privatleben.

Was bedeutet Work-Life-Balance eigentlich? Ich meine nicht, ins Deutsche übersetzt, sondern: Gibt es eine konkrete Definition? Schauen wir mal, wie die Staatsoberen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Begriff Work-Life-Balance definieren: „Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt.“ Ich schließe daraus: Angestellte sollen zwar akribisch und erfolgreich für das Unternehmen arbeiten, aber nicht um jeden Preis. Das Ministerium fordert mehr Rücksicht der Arbeitgeber – auf private, soziale, kulturelle und gesundheitliche Aspekte der Mitarbeiter. Es sollte ausreichend Raum für eine erfüllende Lebensführung bleiben.

Stress stört die Work-Life-Balance

Aber welche beruflichen Begleiterscheinungen sind es denn, die Mitarbeiter in ihrer Lebensführung einschränken? Betrachten wir dafür die häufigsten Kündigungsgründe der Deutschen: 68 % der Angestellten führen einen fehlenden Ausgleich für angefallene Überstunden an. 60 % kündigen bei andauerndem Stress und Leistungsdruck. Das geht aus einer Studie des deutschen Outplacement- und Karriereberaters „von Rundstedt“ hervor.

Einer der größten Stressfaktoren ist heutzutage das Smartphone, ein steter Begleiter im Business-Alltag. Führungskräfte fühlen sich durch die ständige Erreichbarkeit im Smartphone- und Internetzeitalter stark belastet. Ganze 99 % der leitenden Personen sind auch außerhalb der regulären Arbeitszeit beruflich erreichbar, 90 % sind sogar im wohlverdienten Urlaub kontinuierlich erreichbar. Diese alarmierenden, aber teils selbstverschuldeten Zustände führt die Studie Stressfaktor Smartphone 2015 auf, durchgeführt vom Beratungsunternehmen Mercer in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München und der Fachhochschule Rosenheim. Die Essenz der Studie: Neun von zehn Führungskräften fühlen sich durch die unbeschränkte Erreichbarkeit enorm gestresst.

Doch es geht längst nicht nur um die Führungskräfte. Auch in anderen Hierarchieebenen eines Unternehmens gibt es Firmen-Smartphones, die Mitarbeiter zu Hause mit sich tragen. Um diese potenziellen Stressquellen zu unterbinden, sollte jede Organisation verbindliche Regeln für die Erreichbarkeit mit dem Firmen-Smartphone etablieren. So sind Privatleben und Freizeit besser geschützt.

Die Lebensqualität als entscheidender Faktor

Das Privatleben mit Familie oder Partner wird in der Begriffserklärung der Work-Life-Balance häufig als die ultimative Erfüllung dargestellt. Gleichzeitig ist die Arbeit etwas Notwendiges und Unangenehmes, das Freizeit raubt. Doch was ist, wenn wir den Spieß umdrehen? Genauso kann nämlich Stress im Privatleben einen negativen Einfluss auf die Arbeit haben.

Amazon-Geschäftsführer Jeff Bezos sieht Work-Life-Balance ebenfalls nicht als Balanceakt zwischen einem beruflichen und einem privaten Zeitstrang: „Wenn ich zu Hause glücklich bin, dann komme ich mit einer ungeheuren Energie ins Büro. Und wenn ich auf der Arbeit glücklich bin, dann habe ich auch zu Hause eine enorme Energie.“ Dies beschrieb Bezos kürzlich bei einem Event des Axel-Springer-Verlags und des Magazins Business Insider. Er betrachtet das Privatleben und die Arbeit als wechselseitige Beziehung. Es geht um die allgemeine Lebensqualität.

Was Arbeitgeber tun können

Somit ist es Arbeitgebern mit den richtigen Maßnahmen möglich, Berufs- wie Privatleben positiv zu beeinflussen. Die Führungskräfte sollten:

  • mit dem Mitarbeiter kommunizieren und dessen Wünsche/Probleme verstehen und ernstnehmen,
  • den Mitarbeiter systematisch beraten/trainieren, z.B. durch Seminare zum Projekt- und Selbstmanagement,
  • mit Mitarbeitern auch über deren Lebensplanung sprechen und von Arbeitgeberseite bestmöglich unterstützen, z.B. durch flexible Arbeitszeitmodelle oder eine Home-Office-Möglichkeit.

Insbesondere die flexiblen Arbeitszeiten sind in der heutigen Arbeitswelt ein Kernthema. Eine Studie des Arbeitgeberbewertungsportals Kununu bestätigt, dass jeder zweite Beschäftige selbst entscheiden möchte, wann er wie viel arbeitet. 45 % der deutschen Arbeitgeber bieten entsprechende flexible Zeitmodelle bereits an. Diese Maßnahme unterstützt eine individuelle Verknüpfung von Privatleben und Beruf und ist wohl einer der wichtigsten Schritte zu einer höheren Lebensqualität. Führungskräften sollte klar werden, dass sie hier eine Schlüsselposition innehaben – und diese auch ernstnehmen.

Wollen Sie Ihre Mitarbeiter zusätzlich mit erholsamen und kraftspendenden Reisen oder Freizeit-Events belohnen? Magmapool berät Sie gerne. Solche Erlebnisse fördern die Mitarbeiterzufriedenheit sowie die Bindung zum Unternehmen. Eine wohlverdiente Auszeit für Ihre engagierten Angestellten.

Kommentare 0

Für diesen Beitrag existieren noch keine Kommentare.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.